Monat: Juni 2015

Liedermacher und guter Typ – Olli Schulz beim Traumzeit Festival

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Als Musik noch richtig groß war

Es war kalt, es war nass, es war Mitternacht.

Schauplatz des Festival-Tourstarts von Liedermacher Olli Schulz war das alljährliche Traumzeit Festival in Duisburg. Die Location bot nicht nur jede Menge Kultur (alte Hochöfen und so), sondern auch eine unverwechselbare Akustik. Künstler des Abends Oliver Marc Schulz betrat kurz nach Mitternacht mit seiner Band die Bühne der Gießhalle, im Parker – was die herrschenden Temperaturen dort wohl ganz gut widerspiegeln sollte. Die ersten Leute, die dem Bier und Schnaps an dem Abend schon länger gefrönt hatten als wir, gröhlten, forderten Witzchen und ließen ihr Bier fallen, Schulz ignorierte gekonnt mit einer kurzen Begrüßung und begann zu singen. Mit So muss es beginnen, über Phase und Passt schon fühlte man sich in den späten Abend hinein und blickte von Beginn an in viele zufriedene (und Zitat „einfache“) Gesichter. Trotz Kälte ließ Olli seine Jacke fallen und suchte die Nähe zum Publikum.

Olli und Band-3

Bis auf Konfetti und Luftschlangen verzichtet er auf eine unnötig pompöse Show und beeindruckt vielmehr mit Charme, kleinen Anekdoten und schüchternen Tanzdarbietungen. Seine Band wird dabei kontinuierlich mit einbezogen. Bekannte Namen wie unter anderem Gisbert zu Knyphausen und die immer lächelnde und stimmgewaltige Sängerin Kat Frankie wirkten bereits auf Ollis neuestem Werk Feelings aus der Asche mit und waren auch schon bei der Tour im Frühjahr mit an Bord.

Ein Abstecher zu älteren Songs wie So lange einsam und Ich dachte, du bist es (einer unserer absoluten Favoriten unter seinen Songs) boten Abwechslung und es war Zeit sich in den Arm zu nehmen… Mit Bier, welches im Übrigen unseren Geschmack nicht ganz getroffen hat, ging das Ganze noch einfacher. Nachdem Schulz Die Ankunft der Marsianer spielte, konnten sich auch die Gäste auf der Tribüne nicht mehr halten und waren der Spielfreude von ihm und seiner Band schutzlos ausgeliefert.

Natürlich erzählte Schulz zwischen den Songs Geschichten und Lebensweisheiten, passend zu den Liedern. Genauso wie man es kennt und auch erwartet: Langeweile – Absolute Fehlanzeige. Entertainment vom Allerfeinsten, was um die Uhrzeit sicherlich nicht das leichteste gewesen sein muss. Nach einigen Kuppelversuchen unter den Geschlechtern kehrte sicherlich der Ein oder Andere nicht ganz allein in seinen Schlafsack zurück. Außerdem ermahnte er mehrfach das Publikum, nicht im Takt der Musik zu klatschen, da ihn dies aus dem Takt bringt, was ihn für uns nur noch sympathischer machte. Wir als Gitarrenlaien haben sowieso nie verstanden, wie einige Künstler es bewerkstelligen, bei unrhythmischen Geklatsche trotzdem im Takt zu bleiben. Im Fake-Duett mit Sängerin und Gitarristin Kat Frankie gab Olli noch What’s Love von Tina Turner zum Besten. Das Publikum blendete den Unterhalter am Bühnenrand aus und suchte nach der gebürtigen Australierin mit der gewaltigen Stimme. Wir sind uns ziemlich sicher, dass so einige Besucher sich ihren Namen gemerkt haben.

Während der Show forderten einige im Publikum immer wieder lautstark Verhaftet wegen Sexy oder ähnliches, was der Entertainer mehrfach ablehnte und seine tiefgründigen Werke zunächst größtenteils in den Vordergrund rückte, mit welchen er absolut zu begeistern und überzeugen wusste. Die Entscheidung wurde akzeptiert, wenn auch von manchen (Bierseligen? ;)) etwas widerwillig. Der in Berlin lebende Hamburger meisterte den Spagat zwischen Melancholie, Unterhaltungsmusik und humorvollen Einlagen jedenfalls insgesamt perfekt, was definitiv nicht viele Künstler derart schaffen. Trotz der Kälte fühlte man sich nach inmitten des Auftritts genauso wie auf der Tour im März – unterhalten, dankbar und zufrieden.

Mittlerweile verstand auch die Menge, das Handy mal in der Tasche zu lassen und einfach nur zuzuhören. Vom aktuellen Album wurde noch Als Musik noch richtig groß war zum Besten gegeben, live sogar noch um Längen besser als in der Albumversion. Als eine Ode an die Musik regt dieser Song zum Nachdenken an und man erwischt sich dabei, wie man seine eigenen Erlebnisse in dem Metier unweigerlich rekapituliert. Schulz, der mal mit und mal ohne Gitarre auf der Bühne agierte, hatte sich auch Wenn es gut ist auf die Setlist geschrieben – ein unsagbar toller Song, der uns schon bei so manchem Hoch oder auch Tief in den letzten Jahren begleitet hat.

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Um kurz nach 1 Uhr wurde es unruhiger auf der Bühne, es wurde etwas auf der Setlist rumgestrichen und das Publikum bemerkte, dass der Abend viel zu schnell zu Ende sein sollte. Olli Schulz und seine Band spielten quasi gegen die ablaufende Zeit und gaben mit Wenn die Music nicht so laut wär schlussendlich noch einmal alles. Entäuschung über die vom Festivalveranstalter doch irgendwo undankbar gelegene und kurze Spielzeit war zwar kürzlich vorhanden, aber na gut, schließlich hatte kein Künstler auf diesem Festival einen längeren Slot als 1:15 Stunde bekommen.

Olli widersetzte sich dem dennoch zu unserer aller Freude, kam den lauter werdenden Zugabe-Aufforderungen des Publikums nach und kehrte außerplanmäßig für einige Minuten solo zurück auf die Bühne. Ein Mann, eine Gitarre, eine Bühne. Sein Song Human of the week sorgte noch einmal für einige Lacher, bevor die ungeplante Zugabe mit dem Evergreen Wonderwall von Oasis – ein Klassiker, kennt jeder, liebt jeder – besiegelt wurde. Das wurde vom Publikum selbstverständlich lautstark begleitetet, was dem Herrn Schulz ein Lächeln ins Gesicht zauberte als er die Bühne letztlich verließ. Ganz am Rande noch bemerkt: Von Freunden, die auf dem Hurricane Festival weilten, haben wir uns sagen lassen, dass das Wonderwall-Cover dort noch viel besser kam, spielten doch Noel Gallagher und seine High Flying Birds nebenan mit leichter Überschneidung zu Olli Schulz & Band auf der Blue Stage, welche besagten Song eben nicht gespielt haben.

Unser persönlicher Dank gilt Olli, der den Abend zu unserem gemacht hat und uns dies ermöglicht hat. Ein reibungsloser Ablauf sowie ein fantastischer Start in unsere Festivalsaison. In der Kathedrale unserer Herzen… Ihr wisst schon. Allerliebsten Dank jedenfalls!

Olli und seine Band sind weiterhin auf Festivaltour und spielen Anfang November zudem noch eine weitere kleine Tour, die vielleicht auch in eurer Stadt Halt macht. Geht hin oder ihr seid blöd.

http://www.ollischulz.com/termine/

http://bit.ly/eventim_Olli-Schulz

Wenn die Music nicht so laut wär, dann wär sie auch nur halb so schön

Olli und Band-6

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Wir haben es tatsächlich auch noch geschafft, ein tolles Video von Ich dachte, du bist es zu filmen und schön in mediengeilen Portalen hochzuladen:

Olli und Band-9

Auf bald
Tiffi und Nina

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Herzensangelegenheit – Frank Turner & The Sleeping Souls in Luxemburg

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„Let’s grab life by the throat and then live it to pieces.“

Frank Luxemburg 1

An diese Zeile aus dem Song Poetry of the Deed von Folk-Rock und Punk Singer-Songwriter Frank Turner dachten wir wohl, als ebendieser vor einigen Monaten einen Termin mit seinen Sleeping Souls im „den Atelier“ in Luxemburg veröffentlichte. Wir mussten somit nicht lange überlegen und die Tickets waren schon ein paar Monate im Vorfeld gekauft, obwohl der Weg bis nach Luxemburg Stadt satte 300 km für Nina und 500 km für Tiffi zählte. Den Großteil davon bewältigten wir zum Glück gemeinsam. Aber alles egal, für uns war klar, dass es sich definitiv lohnen würde. Zuletzt gesehen hatten wir den selbstbetitelten „skinny half-arsed English country singer“ mit den Sleeping Souls in Viersen beim Eier mit Speck Festival 2014 bzw. beim Highfield 2014 in der Nähe von Leipzig, seitdem nunmehr fast auch schon ein Jahr vergangen ist. Es wurde also mal wieder Zeit.

Die Auftritte von Frank Turner, ob nun solo oder mit den Sleeping Souls, sind uns in den letzten Jahren ganz besonders ans Herz gewachsen und somit zu einer wahren Herzensangelegenheit geworden. Zum ersten Mal live gesehen beim Hurricane 2010, ließen wir von da an schon so einiges stehen und liegen und nahmen diverse Touren so mit, wie es nur eben gerade möglich war. Aber das alles war und ist es sowas von Wert! Zweifelsohne ist Frank mit seinen eingängigen und von Grund auf ehrlichen Texten einer unserer allerliebsten Singer-Songwriter, der einfach nur absolut bodenständig geblieben ist, trotz seines mittlerweile großen Erfolgs (vor allem in seinem Heimatland).

Den Rucksack geschultert und den Schlafsack im Gepäck ging es am 04.06. zunächst in die Eifel, wo eine liebe Freundin sich bereit erklärte, uns für die Nacht zu beherbergen (in diesem Sinne lieben Dank an Susanne, die Britta, Nina und mich aufgenommen hat und auch noch den Fahrdienst übernommen hat :)). Beim Atelier lief alles mehr als relaxt ab: Der Einlass startete pünktlich und sowohl Publikum als auch Personal waren total entspannt. Zudem waren wir nicht die einzigen, die eine relativ lange Anreise auf sich genommen haben – neben vielen Gästen aus Deutschland und Frankreich waren auch so einige Briten anwesend. Pünktlich um 20:30 Uhr trat der Support Act Dreamcatcher auf die Bühne, von denen wir bislang noch nie etwas gehört hatten. Support Acts sind manchmal ja wirklich müßig, aber die Jungs haben Spaß gemacht und die Stimmung gehoben. Die Meute ließ sich jedenfalls zu dem ein oder anderen Singalong hinreißen.

Nach kurzer Umbaupause traten dann endlich Frank Turner & The Sleeping Souls auf die Bühne und starteten postwendend mit dem in Deutschland wohl bekanntesten Songs Recovery. Das Publikum war sofort da, tanzte und sang (brüllte?!) aus vollen Kehlen jede einzelne Zeile mit. Diese Atmosphäre lieben wir einfach auf den Gigs – es ist immer wieder beeindruckend, wie textsicher der Großteil der Besucher auf diesen Konzerten ist. Man fühlt sich immer gleich in sauguter Gesellschaft.

Frank Turner & The Sleeping Souls

Die Textsicherheit wurde bei nahezu allen Songs zelebriert – nur bei den bislang unveröffentlichten Songs war es logischerweise etwas verhaltener. Frank „ermahnte“ uns, auch den neuen Songs Aufmerksamkeit zu schenken, anstatt in dem Moment zu quatschen oder sich ein neues Bier zu besorgen. Wir haben zumindest niemanden entdeckt, der dies getan hat 😉 Get Better war einer der Songs, der vor einigen Wochen von ihm persönlich in Umlauf gebracht wurde, quasi als Entschuldigung dafür, dass die Veröffentlichung des neuen Albums sich länger hingezogen hat als gedacht. Seit heute ist das Release Datum des neuen Albums Positive Songs For Negative People aber bekannt, welches am 7. August 2015 auf den Markt kommen wird. Auch die erste Singleauskopplung The Next Storm wurde an dem Abend beim stets aufmerksamen Publikum getestet – ein wahnsinnig guter Song, der gute Laune versprüht. Auf das neue Album sind wir jedenfalls mehr als gespannt. Während sein vorheriges Werk Tape Deck Heart von düsteren und melancholischen Songtexten lebte, wird das kommende Album einen positiven und wesentlich hoffnungsvolleren Vibe besitzen (wie der Albumtitel ja auch schon aussagt). Folgend ein Video aus Luxemburg von The Next Storm von Rebekka W.:

Neben neuen Songs wurden selbstverständlich auch die „Gassenhauer“ wie The Road, Photosynthesis oder If Ever I Stray zum Besten gegeben. In einem kleinen, ruhigeren Solo-Part spielte er den Opener des neuen Longplayers The Angel Islington, welcher thematisch an das letzte Stück Broken Piano von seinem vorangegangen Album anschließt. Besonders gefreut haben wir uns auch über die Rarität Wisdom Teeth – ein echt toller Song, den er in der letzten Zeit nur selten live gespielt hat. I Am Disappeared, von uns auch gerne als ein Über-Lied bezeichnet, schloss den Solo-Teil wie auch schon bei der letzten Tour derart ab, dass die Sleeping Souls inmitten des Songs wieder einstieg. Auf jeder Show immer wieder ein absoluter Gänsehautfaktor. Hier mal ein kleiner Einblick von Nina (leider nicht komplett):

Nach einer knapp 2-stündigen energiegeladenen Show markierte Four simple Words als letzte Zugabe das Ende des Gigs und gab uns noch einmal den allerletzten Rest. Frank ließ es sich nicht nehmen, ein Bad in der Menge zu nehmen und ordentlich die Crowd zu surfen und ließ sämtliche Gäste letztlich mit einem fetten Grinsen und vielfach triefendnass zurück.

Bei so viel Lob wollten wir zeitweise auch einfach nur Regenbögen kotzen – wir hoffen, ihr verzeiht uns diese übertriebenen Lobeshymnen, die wir aber dennoch komplett gerechtfertigt finden! Wenn ihr solche Art von Musik mögt und Frank Turner & The Sleeping Souls noch nie live gesehen habt, macht es gefälligst. Alle anderen, die schon einmal auf einem solchen Gig zugegen waren, wissen eh wovon wir reden. Die bodenständigen und unfassbar sympathischen Briten sind einfach immer wieder ein Highlight und wir werden auch die kommende Tour sehr gerne wieder mitnehmen.

Sämtlich Infos zu Tour-Terminen, dem neuen Album und allem anderen, findet ihr auf http://frank-turner.com/. Wir jedenfalls fiebern jetzt schon dem Release entgegen und können’s kaum erwarten.

Unser herzlichstes Dankeschön an Frank, Matt, Nigel, Ben und Tarrant für Auftritt 1682!

Nina und Tiffi

Zauberhafte Abende mit Gisbert zu Knyphausen & der Kid Kopphausen Band

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Gisbert zu Knyphausen und die Kid Kopphausen Band gaben sich unter anderem im Bremer Lagerhaus und im Bahnhof Langendreer in Bochum die Ehre, wo wir ausnahmsweise mal getrennt voneinander im Einsatz waren – aber wir waren uns einig: Es war für uns beide ganz zauberhaft!

Es fällt uns wirklich nicht leicht, die Konzerte in Worte zu fassen… Nicht zuletzt bedingt dadurch, dass das Songwriting von Gisbert wirklich etwas ganz Besonderes ist und wir immer das Gefühl haben, dem mit unseren Worten nicht mal ansatzweise gerecht werden zu können. In seinen Texten jongliert er auf eine so lyrische und gefühlvolle Art und Weise mit der deutschen Sprache, die in der heutigen Zeit unserer Meinung nach so ziemlich einzigartig ist. Dem stehen auch die Songtexte in der damaligen Kombination mit Nils Koppruch nichts nach, die seinerzeit unter dem Namen Kid Kopphausen für Furore sorgten. Bis zu dem plötzlichen und immer noch unfassbaren Tod des ehemaligen Fink-Frontmanns. Diese Tour war nun die letzte, die unter dem Beinamen „Kid Kopphausen“ stattfand, was natürlich verständlich ist, aber dennoch ein seltsam bedrückendes Gefühl weckt.

Gisbert und die Kid Kopphausen Band berührte uns mit einer bunte Mischung der Songs von Kid Kopphausen und den Songs aus Gisberts zwei Soloalben („Gisbert zu Knyphausen“ und „Hurra! Hurra! So nicht.“). Mit „Staub und Gold“ war zudem ein Cover von Nils Koppruch dabei. Der Draht zum Publikum war sofort da und jeder Song wurde frenetisch von den Gästen bejubelt – und das vollkommen zu recht. Singer-Songwriter haben es in Bremen ja nicht immer so leicht, umso toller war die Reaktion des Publikums. Zeitweise ließen wir uns von der Melancholie einlullen, besonders „Kräne“, ohnehin schon eines unserer Lieblinge, hat es uns in der Live-Version nur noch mehr angetan – einfach grandios. Nachstehend besagte Version von der diesjährigen Tour in Freiburg von DiscorporateRec:

Aber auch Songs, die nach vorne gingen, wurden zum Besten gegeben, die das Publikum begeisterten. Wir haben wirklich lange überlegt, aber rückblickend fällt es uns schwer, einzelne Songs wirklich hervorzuheben, weil an dem Abend einfach alles insgesamt perfekt war und einfach gepasst hat. Alles hat sich letztlich zu einem Gesamtkunstwerk zusammenfügt.

Es ärgert uns tierisch, dass wir es beide nicht zum diesjährigen Heimspiel Knyphausen schaffen, welches mittlerweile auch bereits komplett ausverkauft ist. Memo an uns: Nächstes Jahr direkt vormerken. Gisbert kündigte weiterhin auf der Tour ein neues Album an, worauf man sich definitiv freuen darf. Wir sind gespannt und freuen uns jetzt schon riesig drauf!

Ein großes Dankeschön für die zauberhafte Zeit auf den Gigs und auf bald,
Nina und Tiffi